Menerawang
Es ist oft schön, in sich selber zu bleiben, mit sich selber zu beschäftigen, zu streiten und zu geniessen, im Schweigen. Nach aussen hin sieht es kalt und schweigsam (woher soll die Stimme kommen wenn doch alles in Veerschwiegenheit passiert?;) ), viel zu ruhig und es passiert nichts. Es sind dann Vorurteile über Vorurteile gekommen. Bist Du traurig? Hast Du Probleme? Bist Du gerade sehr beschäftigt? Bist Du müde?
Beim Sprachenlernen gibt es oft viele bunte Bilder, besser gesagt, bunte Kartoons. Sei es wenn man englisch, deutsch, spanisch, französisch(?) lernt, in den Lehrbücher gibt es oft viele schöne Karikaturen. Wenn sie farbig sind, um so schöner. Oft wird eine sehr beschäftigte Strasse od. Gesellschaft gezeigt. Auf der Strasse ist gerade eine Mutter, die sich mit ihrem achtjährigen Sohn diskutiert, weil er plötzlich nicht weitergehen möchte, das andere Kind, im Kinderwagen, schreit gerade, denn es hat Hunger. Ein Strassenmusikant spielt gerade Saxophone, mit einem offenen Koffer vor sich, darin ein Paar Münze. Eine Kassiererin meckert über einen Kunden, der nicht genug Geld bei sich hatte. Ein alter Mann ist gerade aus dem Laden mit zwei vollen Tüten rausgegangen, seine Handschuhe sind ihm aus der Hand runtergefallen, und er bückt gerade um diese wieder zu heben.
Oder eine andere Szene aus der Nachbarschaft. Es ist gerade Mittagszeit. Eine Oma ist in Ihrem Schaukelstuhl beim Stricken eingeschlafen. Ihr Mann nickt auch vor einer offenen Zeitung. Ein junges Ehepaar streitet sich gerade heftig, während ein Student, der ein Stock tiefer wohnt, versucht, sich Ohrpax in die Ohren hineinzustopfen, damit er für die nächststehende Klausur lernen kann. Weiter ein Stock tiefer plauderte gerade ein Schulmächen mit ihrer Freundin seit Stunden am Telefon.
Es ist doch fast jedem bekannt, solche Szene. Entweder aus den Sprachbüchern oder aus dem täglichen Leben. Wie kann man so was im täglichen Leben beobachten? Ganz einfach, geh vor dem Fenster und steh dort 5 min. lang, dann wird die Szene einem ungebeten vor den Augen präsentiert.
Es ist eine schöne Beschäftigung (ich nenne es bewusst Beschäftigung), mitten im stressigen und mit schnellem Tempo ablaufenden Tag. Ein mal eine Pause dazwischen legen, sich vor dem Fenster zu stellen und hinaus zu schauen. Den GEdanken freien Lauf zu lassen. in sich selbst tief versunken zu sein und nebenbei was anderes bewusst oder unbewusst zu beobachten. Auf deutsch sagt man, im GEdanken zu versinken, tief im GEdanken, träumen(?), auf englisch vielleicht day dream? indonesisch melamun, menerawang, bengong(?). Ich protestiere oft laut, wenn mann dazu träumen oder day dream sagen. Denn im Grunde bin ich vielleicht sehr beschäftigt im Gednken, nicht unbedingt beim tiefen und schwierigen Denkprozess, aber auch nicht gerade entspannend. Oder wenn das GEhirn auch nicht gerade auf hochtouren arbeitet, es arbeitet auch gerade und ist beschäftigt, vielleicht eher etwas leichter Aufgabe. Ich mag das Wort menerawang. Denn es hat eine Art von nach vorne zu schauen, in Vision, in die Zukunft zu blicken, aber auch nicht sehr ernsthaft, halb ernsthaft halb träumen (leider finde ich kein besseres Wort als träumen, wobei dies Wort muss nicht unbedingt negative Stimmung wecken, als ob es nichts wahres, als ob es nur Utopie wäre). Menerawang bedeutet auch, mutig in die Zukunft schauen, vielleicht gerade weil es halb verträumt ist. wie auch immer, es ist ziemliche Interpretation von mir, hoffentlich nicht all zu falsch. Ein Bild dazu habe ich gefunden: http://www.trekearth.com/gallery/Asia/Indonesia/photo278356.htm
ein schönes Bild, auch nicht gerade mit Fotomodell.
Fröhliches Weihnachtsfest und lass uns mutig in die Zukunft blicken.

